Fang M, Wang D, Coresh J, Selvin E; Baltimore, USA; N Engl J Med. 2021; 384:2219 – 2228.

Hintergrund: Die Dokumentation aktueller Behandlungstrends und Kontrolle der Risikofaktoren helfen der Gesundheitspolitik und bei der Planung.

Methodik: Die Autoren führen eine Querschnittsanalyse an Daten von Erwachsenen mit Diabetes in den Vereinigten Staaten durch, die am Nationalen Gesundheitssurvey (NHANES) teilnahmen, um Trends bei der Diabetestherapie und der Kontrolle von Risikofaktoren von 1999 bis 2018 beurteilen zu können.

Ergebnisse: Die Diabeteskontrolle der Teilnehmer verbesserte sich von 1999 bis in die frühen 2010er Jahre, danach stabilisierte sie sich und nahm dann ab. Zwischen den Perioden 2007 – 2010 and 2015 – 2018 verminderte sich der Prozentsatz an erwachsenen NHANES Teilnehmer mit glykämischer Kontrolle (HbA1c < 7%) von 57,4 % (95 % Konfidenzintervall [CI], 52,9 bis 61,8) auf 50,5 % (95% CI, 45,8 bis 55,3). Nachdem sich die Lipidkontrolle (Non- HDL Lipoproteincholesterinspiegel <130 mg/dL) in den frühen 2000er Jahren deutlich verbessert hatte, war nur eine minimale Verbesserung in der Zeit zwischen von 2007 – 2010 (52,3%; 95% CI 49,2 bis 55,3) zu 2015 – 2018 (55,7%; 95% CI 50,8 bis 60,5) sehen. Von 2011–2014 bis 2015–2018 nahm der Prozentsatz von Teilnehmern mit kontrolliertem Blutdruck (<140/90 mm Hg) von 74,2 % (95% CI 70,7 bis 77,4) auf 70,4% (95% CI 66,7 bis 73,8) ab. Der Prozentsatz der Teilnehmer mit allen drei Komponenten im Zielbereich erreichte gleichzeitig ein Plateau nach 2010 und betrug 22,2 % (95% CI 17,9 bis 27,3) in 2015 – 2018. Der Prozentsatz Teilnehmer, die irgendein Blutzuckersenkendes Medikament oder irgendein Antihypertonikum einnahmen, war nach 2010 unverändert, der Prozentsatz Teilnehmer, die mit einem Statin behandelt wurden, erreichte nach 2014 ein Plateau. Nach 2010 nahm der Gebrauch von Kombinationstherapien von Teilnehmern mit unkontrolliertem Blutdruck ab und erreichte ein Plateau für diejenigen mit schlechter glykämischer Kontrolle.

Schlussfolgerung: Nach mehr als einer Dekade Fortschritt von 1999 bis in die frühen 2010er Jahre nahm die glykämische Kontrolle und der Blutdruckeinstellung ab bei erwachsenen Teilnehmern aus NHANES mit Diabetes, während die Lipidkontrolle stagnierte. (Funded by the National Heart, Lung, and Blood Institute.)

Kommentar: Diese sorgfältig erhobenen Daten regen zum Nachdenken an. Wieso verbessert sich die Behandlung der etablierten Risikofaktoren bei (US amerikanischen) Personen mit Diabetes mellitus Typ 2 nicht sondern stagniert (Lipide) oder wird sogar schlechter (Blutdruck, Diabeteseinstellung)? Die Autoren führen an, dass 2010 mehrere große Studien durchgeführt wurden, die eine strenge Blutzuckereinstellung eher nachrangig einstuften, da mit einem niedrigen HbA1c keine Vorteile bei makrovaskulären Ereignissen gesehen wurden. Die Daten aus der hiesigen Studie zeigen, dass in 2015 – 2018 nur 56,3 % der Erwachsenen mit Diabetes mit Statinen behandelt wurden, 59,5 % Metformin bekammen und 60,3 % einen ACE Hemmer oder AT1 Blocker. 60,6 % der Teilnehmer mit einem HbA1c über 7 %, und 52,8 % mit einem Blutdruck über 140/90 mmHg bekamen anstelle mehrerer Medikamente lediglich eine Monotherapie. Die Autoren sprechen sich für eine aggressivere Therapie aus. Ob die neuen Medikamenten mit kardiovaskulärem Benefit hier Schaden abwenden können? Es bleibt zu hoffen, dass die Daten in anderen Ländern mit einer guten Versorgung im Rahmen von DMPs und einer guten Diabetologie besser sind.



Autorin:
Prof. Dr. med. Nanette Schloot

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2021; 21 (4) Seite 46