Vestgaard M, Al-Saudi E, Ásbjörnsdóttir B, Nørgaard LN, Pedersen BW, Ekelund CV, Ringholm L, Andersen LLT, Jensen DM, Tabor A, Damm P, Mathiesen ER; Kopenhagen, Dänemark; Diabet Med 2022; 39:e14722.

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung des Einflusses von anthypertensiver Medikation auf Schwangerschaftsinduzierten Bluthochdruck und fetales Wachstum und Hämodynamik, bei Frauen mit vorbestehendem Diabetes.

Studiendesign und Methoden: Eine prospektive Kohortenstudie in 247 aufeinanderfolgenden schwangeren Frauen mit vorbestehendem Diabetes (152 Typ-1-Diabetes; 95 Typ-2-Diabetes), in welchen strenge antihypertensive Behandlung begonnen und intensiviert wurde (haupsächlich mit Methyldopa), wenn in der Dienststelle gemessener Blutdruck ≥ 135/85 mmHg und zu Hause gemessener Blutdruck ≥ 130/80 mmHg waren. Fetales Wachstum wurde nach 27, 33 und 36  Wochen mittels Ultraschall erfasst und fetale Hämodynamik wurde mittels Doppler-Ultraschall vor und 1 – 2 Wochen nach Beginn einer antihypertensiven Behandlung durchgeführt.

Ergebnis: EBei 215 initial normotensiven Frauen wurde antihypertensive Behandlung für schwangerschaftsinduzierte Blutdruckerkrankungen in 43 (20 %) begonnen, während 173 unbehandelt blieben. Chronischer Bluthochdruck lag bei 32 (13 %) vor. Antihypertensive Behandlung für schwangerschaftsinduzierte Bluthochdruckerkrankungen war nicht assoziiert mit fetalen Wachstumsabweichungen (lineares gemischtes Modell, p = 0,681). Nach 27 Wochen, meistens vor Beginn einer antihypertensiven Behandlung, lag die Prävalenz für kleine Feten mit einem geschätzten fetalen Gewicht unterhalb der 10. Perzentile bei 12 % in Frauen welche antihypertensive Behandlung begannen, verglichen mit 4 % bei unbehandelten Frauen (p = 0,054). Diese Zahlen lagen nahe der Prävalenz von Geburtsgewicht ≤ 10. Perzentile (klein für Gestationsalter (SGA)) (17 % vs 4 %, p = 0,003). Pulsatilitätsindizes in der umbilikalen und mittleren zerebralen Arterie blieben in einer repräsentativen Untergruppe stabil nach Beginn einer antihypertensiven Behandlung (n = 12, p = 0,941 bzw, p = 0,799).

Schlussfolgerung: Es gab keine klaren Anzeichen dass antihypertensive Behandlung in dieser speziellen Hochrisikogruppe von Frauen mit Diabetes schädlich war, so dass größere, sorgfältig geplante Studien zur Erfassung des Nutzens einer strengen Bluthochdruckkontrolle lohnenswert sein könnten.

Kommentar: Die Ergebnisse dieser Studie sind vergleichbar mit früheren Studien in nicht-diabetischen schwangeren Frauen, jedoch waren die Fallzahlen insbesondere in der fetalen Doppler-Ultraschall Unterstudie sehr niedrig. Weitere Studien sind nötig um die Sicherheit einer strengen Blutdruckkontrolle bei schwangeren Frauen mit Typ-2-Diabetes zu bestätigen.



Autor:
Prof. Dr. med. Martin O. Weickert

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (2) Seite 47-48