Ware J, Allen JM, Boughton CK, Wilinska ME, Hartnell S, Thankamony A, de Beaufort C, Schierloh U, Fröhlich-Reiterer E, Mader JK, Kapellen TM, Rami-Merhar B, Tauschmann M, Nagl K, Hofer SE, Campbell FM, Yong J, Hood KK, Lawton J, Roze S, Sibayan J, Bocchino LE, Kollman C, Hovorka R; KidsAP Consortium; Cambridge, UK; N Engl J Med. 2022; 386(3): 209-219.

Hintergrund: Der mögliche Vorteil einer hybriden Closed-Loop-Therapie (d.h. künstliche Bauchspeicheldrüse) gegenüber der sensorgestützten Pumpentherapie bei sehr kleinen Kindern mit Typ-1-Diabetes ist unklar.

Methoden: In dieser multizentrischen, randomisierten Crossover-Studie rekrutierten die Autoren Kinder im Alter von 1 bis 7 Jahren mit Typ-1-Diabetes, die an sieben Zentren in Österreich, Deutschland, Luxemburg und Großbritannien eine Insulinpumpentherapie erhielten. Die Studienteilnehmer wurden über zwei 16-wöchigen Perioden in zufälliger Reihenfolge behandelt, das geschlossene System (Closed-Loop) wurde mit einer sensorgestützten Pumpentherapie (Kontrolle) verglichen. Primärer Endpunkt war der Unterschied zwischen den Behandlungen in dem Prozentsatz der Zeit, in der die Sensorglukosemessung während jedes 16-wöchigen Zeitraums im Zielbereich (70 bis 180 mg pro Deziliter) lag. Die Analyse wurde nach dem Intention-to-Treat-Prinzip durchgeführt. Zu den wichtigsten sekundären Endpunkten gehörten der Prozentsatz der Zeit, die in einem hyperglykämen Zustand verbracht wurde (Glukosespiegel, >180 mg pro Deziliter), der glykierte Hämoglobinspiegel, der mittlere Sensorglukosewert und der Prozentsatz der Zeit, mit hypoglykämen Werten (Glukosespiegel, <70 mg pro Deziliter). Die Sicherheit wurde bewertet.

Ergebnisse: Insgesamt 74 Teilnehmer wurden randomisiert. Das mittlere Alter (±SD) der Teilnehmer betrug 5,6 ± 1,6 Jahre und der glykierte Hämoglobinspiegel betrug 7,3 ± 0,7 %. Der Prozentsatz der Zeit mit dem Glukosewerten im Zielbereich war während der Closed-Loop-Periode um 8,7 Prozentpunkte (95 %-Konfidenzintervall [KI], 7,4 bis 9,9) höher als während der Kontrollperiode (P < 0,001). Die mittlere bereinigte Differenz (Closed-Loop Minus Kontrollgruppe) ausgedrückt als prozentualer Zeitanteil mit hyperglykämen Werten betrug −8,5 Prozentpunkte (95 % CI, −9,9 bis −7,1), die Differenz im glykierten Hämoglobinspiegel betrug −0,4 Prozentpunkte (95 % CI, −0,5 bis −0,3) und die Differenz im mittleren Sensor-Glukosespiegel betrug −12,3 mg pro Deziliter (95 % CI, −14,8 bis −9,8) (P < 0,001 für alle Vergleiche). Die Zeit mit hypoglykämen Werten war bei beiden Behandlungen ähnlich (P = 0,74). Die mediane Zeit, die im Closed-Loop-Modus verbracht wurde, betrug 95 % (Interquartilsbereich, 92 bis 97) über den 16-wöchigen Closed-Loop-Zeitraum. Ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis mit einer schweren Hypoglykämie trat während der Closed-Loop-Periode auf. Ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis, das als nicht mit der Behandlung zusammenhängend angesehen wurde, trat ein.

Schlussfolgerungen: Ein hybrides Closed-Loop-System verbesserte signifikant die glykämische Kontrolle bei sehr kleinen Kindern mit Typ-1-Diabetes, ohne die Zeit für Hypoglykämie zu verlängern. (Finanziert von der Europäischen Kommission und anderen; ClinicalTrials.gov Anzahl, NCT03784027.).

Kommentar: Diese Arbeit zeigt für Kinder im alter 1-7 Jahre mit Typ-1-Diabetes, das bei einem schon recht gut eingestellten HbA1c von 7,3 % eine weitere Verbesserung erreicht werden kann auf im Mittel HbA1c 6,9 %, ohne dass dabei Hypoglykämien häufiger auftreten. Entsprechend der HbA1c Verbesserung, verlängerte sich die Zeit im Glukose- Zielbereich um etwas über 2 Stunden. Damit wird es mit neuer Technologie auch bei dieser Patientengruppe immer besser möglich, eine sehr gute Einstellung der Blutglukose zu erreichen.



Autorin:
Prof. Dr. med. Nanette Schloot

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (2) Seite 44