Chatwin H, Broadley M, Hendrieckx C, Carlton J, Heller S, Amiel SA, de Galan BE, Hermanns N, Finke-Groene K, Speight J, Pouwer F; the ­Hypo-RESOLVE Consortium; Odense, Dänemark; Diabet Med 2022; 39:e4727.

Fragestellung: Episoden von Hypoglykämie und Furcht vor Hypoglykämie können bedrückend sein für Erwachsene mit Typ-1-Diabetes. In dieser Studie wurden Hypoglykämiebezogene Support-Bedürfnisse bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich untersucht.

Methode: Teilnehmer partizipierten in einer Internet-basierten qualitativen Studie, mit Einschluss von vier offenen Fragen; gefragt wurde was sie wünschten dass andere Personen über Hypoglykämie verstehen, und was andere Personen anders tun könnten um bei einer Hypoglykämie zu unterstützen. Antworten wurden mittels einer reflexiven thematischen Analyse ausgewertet.

Ergebnisse: Teilnehmer waren 219 Erwachsene mit ­Typ-1-Diabetes (Mittelwert ± SD, Alter 39 ± 13 Jahre; Mittelwert ± SD, Diabetesdauer 20 ± 14 Jahre). Unbefriedigte Bedürfnisse wurden beschrieben bezüglich: (1) Klinischer Unterstützung, einschliesslich Zugang zu neuen Diabetestechnologien, Schulung für Hypoglykämieprävention, personalisierter Versorgung und psychologischer Unterstützung; (2) Praktische Unterstützung, unter Einschluss von verbesserter Unterstützung durch Familie und Freunde bei Hypoglykämie-Management – und Prävention; (3) Schulung für andere Personen, unter Einschluss verbesserter Information über Hypoglykämie; und (4) Anerkennung der Last, unter Einschluss dass andere Personen die Erfahrung und den Einfluss von Episoden verstehen, sowie die Last mit dem Risiko für Hypoglykämie zu leben.

Schlussfolgerung: Erwachsene mit Typ-1-Diabetes berichteten mehrere nicht addressierte Bedürfnisse im Bezug auf Hypoglykämie. Eine Leistungserbringung sollte personen-zentriert sein und die individuellen Unterstützungsbedürfnisse priorisieren. Klinische Konversation ist notwendig zur Erkennung der individuellen Unterstützungsbedürfnisse und zur Entwicklung von maßgeschneiderten Unterstützungsplänen. Personen mit Diabetes und deren Familienmitglieder sollten Hypoglykämie-spezifische Schulung und Training angeboten werden.

Kommentar: In dieser Studie gab es keine Unterschiede bezüglich Geschlecht, Herkunftsland oder Hypoglykämie-Schwere und Hypoglykämie-Wahrnehmungsstatus. Ein Einschluss von Familienmitgliedern bei Hypoglykämieschulung sowie verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sind wünschenswert.



Autor:
Prof. Dr. med. Martin O. Weickert

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (2) Seite 44-45