Modin D, Claggett B, Kober L, Schou M, Jensen JUS, Solomon SD, ­Vardeny O, Knop FK, Nielsen SD, Fralick M, Torp-Pedersen C, Gislason G, Biering-Sorensen T; Department of Cardiology, Herlev und Gentofte Hospital, University of Copenhagen, Hellerup, Dänemark; Diabetes Care 2020; 43. 2226 – 2233

Fragestellung: Eine rezente Influenza-Infektion ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für atherothrombotische Ereignisse, akuten Myokardinfarkt (AMI) und Schlaganfall eingeschlossen. Über eine Assoziation zwischen einer Influenza-Impfung und kardiovaskulären Ereignissen ist bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wenig bekannt.

Studiendesign und Methoden: Genutzt wurden nationale Registerdaten, um Patienten mit Diabetes in Dänemark zu identifizieren während neun konsekutiver Influenza-Perioden im Zeitraum von 2007 – 2016. Diabetes war definiert über den Gebrauch von blutzuckersenkenden Medikamenten. Personen, die nicht 18 – 100 Jahre alt waren oder eine koronare Herzkrankheit aufwiesen, eine Herzinsuffizienz, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Krebs oder eine zerebrovaskuläre Erkrankung wurden ausgeschlossen. Die Influenza-Impfung der Patienten wurde vor jeder Influenza-Periode erfasst. Betrachtet wurden die Gesamtmortalität, die kardiovaskuläre Mortalität, Tod durch AMI oder Schlaganfall. In jeder Periode wurden die Patienten vom 1. Dezember bis 1. April des nächsten Jahres beobachtet.

Ergebnisse: Beobachtet wurden insgesamt 241  551 Patienten im Mittel für 4 Perioden (Interquartilen-Bereich 2 bis 8 Perioden) und einem gesamten Follow-up von 425 318 Personenjahren. Die Impfrate während der Studienperioden reichte von 24 % – 36 %. Während des Follow-up starben insgesamt 8 207 Patienten (3,4 %), 4 127 Patienten verstarben kardiovaskulär (1,7 %) und 1 439 starben an einem AMI/Schlaganfall (0,6 %). Nach Adjustierung für Störfaktoren war die Impfung signifikant assoziiert mit einem reduzierten Gesamtmortalitätsrisiko (Hazard Ratio [HR] 0,83, p < 0,001), einem reduzierten kardiovaskulären Todesrisiko (HR 0,84, p < 0,001) und einer Todesrate an akuten, diabetesassoziierten Komplikationen (diabetische Ketoazidose, Hypoglykämie, Koma) (HR 0,89, p = 0,006).

Schlussfolgerung: Patienten mit Diabetes zeigen ein reduziertes Risiko für Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Mortalität und Tod durch AMI/Schlaganfall. Eine Influenza-Impfung kann das Überleben von Patienten mit Diabetes verbessern.

Kommentar: Menschen mit Diabetes sind bei weiteren Erkrankungen durch die zahlreichen diabetesassoziierten Komorbiditäten besonders kardiovaskulär, gefährdet. Die Corona-Pandemie-Daten aus vielen Ländern haben gezeigt, dass Patienten mit Diabetes, besonders, wenn die Stoffwechseleinstellung nicht gut ist, auch ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit eventuell tödlichem Ausgang aufweisen, wenn sie an COVID-19 erkranken. Wir stehen vor der Grippesaison 2020/2021. Erwartet wird außerdem ein erneuter Anstieg nicht nur der Corona-Infektionszahlen, sondern auch der schweren Krankheitsfälle, ohne dass für SARS-CoV-2 ein Impfstoff oder ein wirksames Therapeutikum bereitsteht. Diese vor diesem Hintergrund hochaktuelle, große dänische Registerdaten-Studie zeigt, dass Patienten mit Diabetes von einer Influenza-Schutzimpfung prognostisch eindeutig profitieren. Wir sollten also unter Berücksichtigung dieser Studienergebnisse allen unseren Patienten mit Diabetes ab 18 Jahren eine Grippeschutzimpfung empfehlen, gerade im Hinblick auf das zusätzliche „Corona-Problem“.



Autorin:
Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2021; 21 (4) Seite 51