Pfeffer MA, Claggett B, Lewis EF, Granger CB, Køber L, Maggioni AP, Mann DL, McMurray JJV, Rouleau JL, Solomon SD, Steg PG, Berwanger O, Cikes M, De Pasquale CG, East C, Fernandez A, Jering K, Landmesser U, Mehran R, Merkely B, Vaghaiwalla Mody F, Petrie MC, Petrov I, Schou M, Senni M, Sim D, van der Meer P, Lefkowitz M, Zhou Y, Gong J, Braunwald E; PARADISE-MI Investigators and Committees; Boston, MA, USA ; N Engl J Med. 2021;385(20):1845-1855.

Hintergrund: Bei Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz wurde festgestellt, dass Sacubitril-Valsartan das Risiko eines Krankenhausaufenthalts und für Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursachen effektiver reduziert als ein Angiotensin-Converting-Enzym-Inhibitor. Studien, die die Wirkungen dieser Medikamente bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt vergleichen, fehlten bislang.

Methodik: Die Autoren wiesen Patienten mit Myokardinfarkt, die als Komplikation eine reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion, Lungenstauung oder beides entwickelt hatten, nach dem Zufallsprinzip entweder Sacubitril-Valsartan (97 mg Sacubitril und 103 mg Valsartan zweimal täglich) oder Ramipril (5 mg zweimal täglich) zusätzlich zur empfohlenen Therapie zu. Das primäre Ergebnis war kardiovaskulär bedingter Tod oder inzidente Herzinsuffizienz (ambulante symptomatische Herzinsuffizienz oder Hopitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz), je nachdem, was zuerst auftrat.

Ergebnis: Insgesamt wurden 5 661 Patienten randomisiert; 2 830 erhielten Sacubitril-Valsartan und 2 831 Ramipril. Über einen Median von 22 Monaten trat bei 338 Patienten (11,9 %) in der Sacubitril-Valsartan-Gruppe und bei 373 Patienten (13,2 %) in der Ramipril-Gruppe (Hazard Ratio, 0,90; 95 %-Konfidenzintervall [KI], 0,78 bis 1,04; P = 0,17) kardiovaskulär bedingter Tod oder Hospitalisierung aufgrund Herzinsuffizienz trat bei 308 Patienten (10,9 %) in der Sacubitril-Valsartan-Gruppe und bei 335 Patienten (11,8 %) in der Ramipril-Gruppe auf (Hazard Ratio, 0,91; 95 % KI, 0,78 bis 1,07); kardiovaskulär bedingter Tod bei 168 (5,9 %) bzw. 191 (6,7 %) (Hazard Ratio, 0,87; 95 % KI, 0,71 bis 1,08); und Tod aus beliebiger Ursache in 213 (7,5 %) bzw. 242 (8,5 %) (Hazard Ratio, 0,88; 95 % KI, 0,73 bis 1,05). Die Behandlung wurde wegen eines unerwünschten Ereignisses bei 357 Patienten (12,6 %) in der Sacubitril-Valsartan-Gruppe und 379 Patienten (13,4 %) in der Ramipril-Gruppe abgebrochen.

Schlussfolgerung: Sacubitril-Valsartan war bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt nicht mit einer signifikant geringeren Inzidenz von Todesfällen durch kardiovaskuläre Ursachen oder Herzinsuffizienz assoziiert als Ramipril. (Finanziert von Novartis; PARADISE-MI ClinicalTrials.gov Nummer, NCT02924727.).

Kommentar: Bei Patienten mit etablierter symptomatischer Herzinsuffizienz mit einer reduzierten linksventrikulären Ejektionsfraktion ist Sacubitril-Valsartan wirksamer als ein ACE-Hemmer, um kardiovaskulär bedingten Tod oder Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz zu vermeiden. Da sowohl Ramipril als auch Valsartan nachweislich das Risiko dieser beiden Komplikationen vermindern, sollte die aktuelle Studie den potenziellen inkrementellen Nutzen sowie die Risiken der Zugabe des Neprilysin-Inhibitors Sacubitril zu einem wirksamen Renin-Angiotensin-Systemblockierungsschema prüfen. Entgegen den Erwartungen zeigte sich kein signifikanter Nutzen von Sacubitril-Valsartan.



Autorin:
Prof. Dr. med. Nanette Schloot

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (1) Seite 48