Sharma A, Zheng Y, Ezekowitz JA et al; Diabetes Care 2022; 45(1): 204 – 212

Fragestellung: Die phänotypische Heterogenität von Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) und atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung (ASCVD) ist krankheitsbedingt. Es wurden Clusteranalysen und automatisierte Algorithmen erstellt und angewandt, um Phänotypen zu identifizieren unter Studienteilnehmern mit T2DM und ASCVD.

Studiendesign und Methoden: Es wurden Daten genutzt aus der Trial Evaluating Cardiovascular Outcomes With Sitagliptin (TECOS)-Studie (n = 14 671), einer kardiovaskulären Endpunkt- und Sicherheitsstudie, die Sitagliptin mit Plazebo verglich bei Patienten mit T2DM und ASCVD (mittlere Beobachtungszeit 3,0 Jahre). Clusteranalysen mit 40 basalen Variablen wurden durchgeführt, Assoziationen zwischen Clustern und dem primären kombinierten Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, nichttödlicher Myokardinfarkt, nichttödlicher Schlaganfall oder Hospitalisation wegen instabiler Angina) wurden erfasst mittels Cox-Proportional-Hazards-Modelle. Die Resultate wurden repliziert mit der Exenatide Study of Cardiovascular Event Lowering (EXSCEL)-Studie.

Resultate: Es wurden 4 verschiedene Phänotypen identifiziert: Cluster I umfasste kaukasische Männer mit hoher Prävalenz von koronarer Herzkrankheit, Cluster II umfasste asiatische Patienten mit niedrigem BMI, Cluster III beinhaltete Frauen mit nichtkoronarer ASCVD und Cluster IV umfasste Patienten mit Schwerhörigkeit und Niereninsuffizienz. Der primäre Endpunkt ereignete sich bei 11,6 %, 8,6 %, 10,3 % und 16,8 % der Patienten der Cluster I – IV. Die nichtkorrigierte Differenz des kardiovaskulären Risikos für den höchsten versus den niedrigsten Risiko-Cluster (Cluster IV vs. Cluster II) war statistisch signifikant (Hazard Ratio 2,74 [95 % CI 2,29 – 3,29]). Ähnliche Phänotypen und Endpunkte wurden in EXSCEL identifiziert.

Schlussfolgerung: Unter Patienten mit T2DM und ASCVD identifizierte die Clusteranalyse 4 klinisch verschiedene Patientengruppen. Es ist eine weitere kardiovaskuläre Phänotypisierung notwendig, um die Patientenbetreuung zu verbessern und das Design von Studien zu optimieren.

Kommentar: Die Patienten-zentrierte Therapie unter Berücksichtigung aller individuellen Komorbiditäten und Besonderheiten hat die glukozentrische Therapie mit Fokus auf Blutzucker- und HbA1c-Konzentrationen in der Diabetologie abgelöst. Das setzt die genaue Charakterisierung des einzelnen Patienten zur maßgeschneiderten Therapieplanung voraus. Wir haben gelernt, dass es unter den Patienten mit T2DM verschiedene Phänotypen mit unterschiedlichem Risiko für diabetische Komplikationen gibt und damit auch Unterschiede in der gebotenen Therapiestrenge. Die vorliegende Clusteranalyse von Daten aus kardiovaskulären Endpunkt- und Medikamentensicherheitsstudien an Patienten mit T2DM zeigt zweierlei. 1. Entdeckte diese Studie 4 verschiedene klinische Patientengruppen, alle mit manifester atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung, aber mit unterschiedlichem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod. 2. Das kardiovaskuläre Outcome bei Patienten mit T2DM und ASCVD ist am schlechtesten bei denjenigen mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Zuordnung der Patienten mit T2DM zu einem der kardiovaskulären Phänotypen kann zur Optimierung der Therapie und auch der Ressourcen genutzt werden bei stetig steigenden Patientenzahlen.



Autorin:
Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (1) Seite 48