McInnes N, Hall S, Hramiak I et al für die REMIT-sita Collaborative Group; Diabetes Care 2022; 45(1): 178-185.

Fragestellung: Ziel der Studie war es, eine Remission des Typ-2-Diabetes nach einer kurzzeitigen Intervention mit Insulin Glargin, Sitagliptin/Metformin und Lebensstilmodifikation zu untersuchen.

Studiendesign und Methoden: In dieser offenen multizentrischen Studie wurden 102 Patienten mit Typ-2-Diabetes randomisiert zugeteilt einer 1) 12-wöchigen Intervention mit Sitagliptin/Metformin, Insulin Glargin und Lebensstiltherapie oder 2) einer Kontrollgruppe. Teilnehmer mit HbA1c < 7,3 % (< 56 mmol/mol) nach 12 Wochen wurden aufgefordert, die Diabetesmedikation zu stoppen und wurden über 52 Wochen beobachtet auf Rezidive. Diabetes-Rezidivkriterien umfassten HbA1c ≥ 6,5% (≥ 48 mmol/mol), ≥ 50 % der kapillären Blutzuckermessungen >10 mmol/mol über 1 Woche und Reinitiierung der Diabetesmedikation mit oder ohne abnorme Nüchternglukose (FPG) oder 2-Stunden-Plasmaglukose im oralen Glukosetoleranztest (OGTT). Eine Analyse der Zeit bis zum Rezidiv wurde durchgeführt, um die Therapiegruppen mit (primäre Analyse) und ohne (supplementäre Analyse) FPG/OGTT-Rezidivkriterien zu vergleichen.

Resultate: Mit den FPG/OGTT-Rezidivkriterien betrug die Hazard Ratio (HR) für ein Rezidiv 0,79 (95 % CI 0,47 – 1,10) in der Interventionsgruppe verglichen mit der Kontrollgruppe (primäre Analyse), und die Zahl der Patienten in Remission war nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Behandlungsgruppen nach 24, 36, 48 und 64 Wochen. In der supplementären Analyse ohne diese Kriterien betrug die HR für ein Rezidiv 0,60 (95 % CI 0,39 – 0,95) und die Zahl der Teilnehmer in Remission war signifikant höher (26 vs. 10 %) in der Interventionsgruppe nach 36 Wochen.

Schlussfolgerung: Obwohl der primäre Endpunkt nicht statistisch signifikant war, verdient der untersuchte Ansatz weitere Evaluierung mit Optimierung der Komponenten.

Kommentar: Es wurden etliche Studien publiziert, die eine unterschiedlich lange Remission (mit unterschiedlichen Definitionen) eines neumanifestierten Typ-2-Diabetes dokumentierten nach ähnlich kurzzeitiger Insulintherapie, meist einer intensivierten Insulintherapie, besonders bei hohem HbA1c-Ausgangswert von ≥ 9 % unter der Vorstellung, dass eine intensive Insulintherapie die Glukotoxizität auf die Betazelle überwinden und damit die Betazellfunktion wieder herstellen kann. In dieser Studie wurden Patienten mit Typ-2-Diabetes mit einer Basalinsulin-unterstützten oral antidiabetischen Therapie (BOT), also verschiedenen antidiabetischen Wirkprinzipien, kurzzeitig behandelt und erreichten nicht statistisch signifikant öfter eine Diabetesremission im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Test-Therapie wurde nach 12 Wochen beendet, wenn die Patienten HbA1c-Werte < 7,3 % aufwiesen. Möglicherweise ist die Therapieeffizienz selbst oder das HbA1c-Ziel unzureichend, um die Betazellfunktion zu restituieren. In der vorliegenden Arbeit fehlt auch die Angabe zur vermeintlichen Diabetesdauer und des Ausgangs-HbA1c.



Autorin:
Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (2) Seite 45