Abraham MB, de Bock M, Smith GJ, Dart J, Fairchild JM, King BR, Ambler GR, Cameron FJ, McAuley SA, Keech AC, Jenkins A, Davis EA, O‘Neal DN, Jones TW; Australian Juvenile Diabetes Research Fund Closed-Loop Research group; Perth, Australien; JAMA Pediatr. 2021;175:1227-1235.

Hintergrund: Die Hybrid-Closed-Loop-Therapie (HCL) konnte die glykämische Kontrolle bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes verbessern; die Effekte einer HCL-Therapie auf glykämische und psychosoziale Ergebnisparameter wurden jedoch noch nicht in einer langfristigen randomisierten klinischen Studie belegt.

Ziel: Es sollte der prozentualen Anteil der Zeit, die mit einem HCL-System im Zielglukosebereich verbracht wird, mit der entsprechenden Zeit bei der üblichen Insulinpumpentherapie oder bei mehrfach täglichen Insulininjektionen mit und ohne CGM verglichen werden.

Methode: In die sechsmonatige multizentrische randomisierte klinische Studie wurden 172 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes eingeschlossen; sie wurden zwischen dem 18. April 2017 und dem 4. Oktober 2019 in Australien rekrutiert. Die Daten zwischen dem 25. Juli 2020 und dem 26. Februar 2021 wurden analysiert.

Intervention: Die möglichen Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Kontrollgruppe für die konventionelle Therapie (kontinuierliche subkutane Insulininfusion oder mehrfache tägliche Insulininjektionen mit oder ohne CGM) oder der Interventionsgruppe mit der HCL-Therapie zugeteilt.

Hauptergebnisse und Parameter: Der primäre Endpunkt war der prozentuale Anteil der Zeit im Bereich (TIR) innerhalb eines Glukosebereichs von 70 bis 180 mg/dL, gemessen durch 3-wöchige maskierte CGM-Messungen am Ende der Studie in beiden Gruppen. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten CGM-Metriken für Hypoglykämie, Hyperglykämie und glykämische Variabilität sowie psychosoziale Messwerte, die mit validierten Fragebögen erhoben wurden.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 135 Patienten (mittleres [SD] Alter, 15,3 [3,1] Jahre; 76 Mädchen [56 %]) eingeschlossen, von denen wurden 68 zufällig der Kontrollgruppe und 67 der HCL-Gruppe zugewiesen. Die Patienten hatten eine mittlere (SD) Diabetesdauer von 7,7 (4,3) Jahren und ein mittleres HbA1c von 64 (11) mmol/mol. 110 Teilnehmer (81 %) erhielten eine kontinuierliche subkutane Insulininfusion und 72 (53 %) ein CGM. In den Intention-to-Treat-Analysen stieg die TIR von einem Mittelwert (SD) von 53,1 % (13,0 %) bei Studienbeginn auf 62,5 % (12,0 %) am Ende der Studie in der HCL-Gruppe und von 54,6 % (12,5 %) auf 56,1 % (12,2 %) in der Kontrollgruppe, mit einer mittleren bereinigten Differenz zwischen den beiden Gruppen von 6,7 % (95 % CI, 2,7 % – 10,8 %; P = 0,002). Die HCL-Therapie verringerte auch die Zeit im hypoglykämischen (<70 mg/dL) Bereich (Differenz, -1,9 %; 95 % KI, -2,5 % bis -1,3 %) und es verbesserte sich die glykämische Variabilität (Differenz des Variationskoeffizienten, -5,7 %; 95 % KI, -10,2 % bis -0,9 %). Die HCL-Therapie war mit einer Verbesserung der diabetes-spezifischen Lebensqualität assoziiert (Differenz: 4,4 Punkte; 95 % KI; 0,4-8,4 Punkte), ohne dass sich die Diabetesbelastung veränderte. In keiner der Gruppen kam es zu einer schweren Hypoglykämie oder zu einer diabetischen Ketoazidose.

Schlussfolgerung: In dieser randomisierten klinischen Studie verbesserte eine sechsmonatige HCL-Therapie die Blutzuckerkontrolle und die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zur konventionellen Therapie signifikant.

Kommentar: Es ist zunächst positiv anzumerken, dass die Nutzung des HCL-Systems auch nach sechs Monaten noch zu einer Verbesserung der Stoffwechsellage geführt hat. Insgesamt ist jedoch enttäuschend, dass das in den Leitlinien formulierten Ziel von mehr als 70 % Zeit im Zielbereich im Mittel deutlich verfehlt wurde. Auch die relativ hohe Diabetesbelastung blieb gegenüber den anderen Therapiekonzepten unverändert, während sich die Lebensqualität hier vor allem wegen des ungestörten Nachtschlafes verbesserte. Angesichts der recht hohen Kosten und der damit verbundenen hohen Erwartungen muss sicher überlegt werden, wie junge Patienten noch besser auf diese innovativen Systeme vorbereitet werden können, um deren Potenzial wirklich zu nutzen.



Autorin:
Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2022; 22 (1) Seite 49